Tag der Erscheinung des Herrn
Dreiergruppen. Magier: Hypatia von Alexandrien, Giordano Bruno, Galileo Galilei, weltliche Weisheit an der Krippe. Drei Menschen, die der Macht des Herodes dienen. Drei, die an Würde erinnern: Josef aus dem Ersten Testament, Margot Frank und ein Zwangsarbeiter. Ärztin und Jüdin, die lesen. Engel und Obdachloser als verkündigend.
Bilder zum Jahreswechsel
Weihnachten
4. Advent: zwei träumende Josefs
Pater Bernhard Ketzlick | Priester im Herz-Jesu-Kloster an der Ostenallee zur NS-Zeit
Die Steppe wird blühen – 3. Advent
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Versanden
Ein Prozess endet ohne Ergebnis endet und entwickelt sich nicht weiter.
Etwas verläuft ins Leere.
Davon gab es genug in diesem Jahr: In der Weltpolitik, im eigenen Leben.
„Wir sind gefallen wie dürres Laub“ –
singen wir im Advent im Rorate-Gesang. Verwelkt.
Farblos geworden.
Wir kommen mit unserer Logik nicht weiter:
Auge um Auge, Zahn um Zahn. Menschenweise.
Schwerter zu Pflugscharen – Lanzen zu Winzermessern.
Gottesweise.
Warum bist du nicht so wie wir?
In unserer beginnenden Krippendarstellung steht eine Figur für Josef,
den Josef aus dem Buch Genesis, einer der zwölf Söhne des Jakob.
Er war anders als seine elf Brüder, ein Träumer.
Sein Vater liebte ihn auf eigene Weise und schenkte ihm einen bunten Rock,
wörtlich: Ein Prinzessinnenkleid.
Seine Brüder ertrugen Josef nicht, weil er nicht so war wie sie,
wollten ihn darum zunächst umbringen, aber verkauften ihn dann.
Warum bist du nicht so wie wir?
Franziskus steht bei einem Bild der zerstörten Agneskirche:
„Bau meine Kirche wieder auf.“
Ursprünglich verstanden als Aufforderung,
die zerstörte Kirche von San Damiano wieder aufzubauen,
erkannte er später, dass die eigentliche Bedeutung
eine umfassendere Erneuerung der gesamten Kirche meinte,
die damals von Machtmissbrauch und Korruption geprägt war.
Das konnte vielleicht nur er, der so anders war als seine Familie,
und als einzelner einen neuen Weg begann.
Kleiderrückgabe des hl. Franziskus
Franziskus wird 1181 in Assisi geboren.
Sein Vater Pietro Bernadone war ein reicher Tuchhändler.
Franziskus möchte ein anderes Leben führen.
Auf dem Marktplatz gibt er seinen Eltern
buchstäblich das letzte Hemd zurück.
Nackt und bloß steht er da und verlässt Assisi.
Franziskus trennt sich von seinem Vater
und von all dem, was ihn mit ihm verbindet,
was ihn einhüllt, verhüllt, einkleidet, verkleidet.
Franziskus merkt, dass er in den Fußstapfen seines Vaters
nicht der sein kann, der er ist, der er sein will.
Er will sich nicht verstellen, verbiegen.
Franziskus versteht sich von der Szene auf dem Marktplatz an
einzig als Sohn des himmlischen Vaters.
Er lässt alle Abhängigkeiten hinter sich.
Wer ist der wirklich Nackte, der Bloßgestellte, der Entlarvte?
Der, der nichts an hat, oder der,
der sich hinter kostbaren Gewändern versteckt und darin verbirgt?
Der sich ungeschützt zeigt und angreifbar macht – oder der,
der sich panzert und sich darauf verlässt,
was wir umgangssprachlich nennen: Kleider machen Leute?
Unsere Szene zeigt,
wie Franziskus seinem Vater die Kleidung zurück geben will.
Er löst sich.
Eine weitere Nabelschnur wird durchtrennt,
ähnlich wie bei der Geburt.
Ein Weg in die Weite beginnt. Eine Ent-Scheidung.
Ein ungeschützter Aufbruch.
Im Hintergrund ist ein Bild von Georg Schnitzler zu sehen,
eine im Original 5 x 3 m große Arbeit mit dem Titel:
„the world we knew so far“ (die Welt, die wir bisher kannten).
Der abgebildete Mensch lässt alles zurück,
es wirkt wie ein Stürzen, ein am Boden liegen,
ein zugrunde gehen,
um gut gegründet neu aufzustehen.
weitere Annäherung: Franziskus auf dem Marktplatz
25.03.2025 | Verkündigung des Herrn
Viele kennen Hamm (nur) vom „Durchfahren“.
Der Hauptbahnhof von Hamm
ist ein wichtiger Knotenpunkt im deutschen Fernverkehr.
Erbaut wurde der Hammer Bahnhof im Jahr 1847.
Neben dem Vorplatz ist vor allem das Bahnhofsgebäude
das Aushängeschild des Verkehrsknotenpunktes.
Der im Jahr 1920 fertiggestellte Bau
besitzt ein neobarockes Antlitz und steht unter Denkmalschutz.
Der heute größtenteils stillgelegte Rangier- und Güterbahnhof
war mit einer Fläche von 110 Hektar früher einer der größten Europas.
In der Milieukrippe taucht der Bahnhof in drei Perspektiven auf,
nicht nur als markanter Ort in Hamm,
sondern auch als Ort von Warten und Ankommen,
von Abschied und Wiedersehen.
Ferne und Nähe, Ansage und Erfüllung, Kommen und Gehen.
Passend dazu ist auf der Rückseite des Bildes
der Auszug eines Gedichtes von Silja Walter (*1919, +2011),
Schweizer Benediktinerin und Schriftstellerin
mit dem Ordensnamen Sr. M. Hedwig, zu lesen.
Zum 25.03. ist er Kulisse für die Botschaft des Engels an Maria:
Es kommt jemand. Gott braucht dich. Fürchte dich nicht.
Eine „Milieukrippe“ in Hamm ist im Entstehen;
angeregt von der jahrzehntelangen Milieukrippe
in Sankt Maria Lyskirchen in Köln.
Ort der Ankunft des Gotteswortes ist überall und zu jeder Zeit.
Verschiedene Szenen begleiten uns in diesem Jahr:
Zum Fest der Verkündigung des Herrn, Ostern, im Mai,
zum Fest Mariä Heimsuchung, zum Franziskustag …
und vom 1. Advent 2025
bis zum Fest Darstellung des Herrn am 2. Februar 2026
„großer Bahnhof“…
Schalen
Sammeln
Aufbewahren
Halten
Bettlerschale
Mangel
Fass ohne Boden
Leere Augen
Leere Bäuche
Leerer Kopf
Aufgezehrt
Verbraucht
Vorbei
Maria inmitten von Schalen
Selbst eine Schale
„Vas honorabile – du ehrwürdiger Kelch“
Maria unterwegs
Zu Elisabeth
Mit dem Magnificat
Glaube an Gottes Fülle
An das heranwachsende Wort (in ihr)
Das sie nicht für sich behält
Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale,
nicht als Kanal.
Bei einem Kanal ist es so,
dass er fast gleichzeitig empfängt und weitergibt.
Eine Schale aber wartet, bis sie gefüllt ist, bis sie überfließt.
Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt,
ohne eigenen Schaden weiter.
Die Schale ahmt die Quelle nach.
Erst wenn sie gesättigt ist, strömt sie zum Fluss.
Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen,
und habe nicht den Wunsch, freigebiger als Gott zu sein.
Die Schale ahmt die Quelle nach,
nicht überströmender zu sein als die Quelle…
Du tue das Gleiche!
Zuerst anfüllen und dann ausgießen.
Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen,
nicht auszuströmen…
Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.
Wenn du nämlich mit dir selber schlecht umgehst,
wem bist du dann gut?
Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle;
wenn nicht, schone dich.
(Bernhard von Clairvaux )