Bernhard Ketzlick

Nach dem Abitur 1926 trat Bernhard Ketzlick (* 16. Oktober 1907 in Hannover | † 26. Februar 1951 in Eisenschmitt) in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Missionare in Hiltrup ein und legte 1931 die Ewige Profess ab. 1937 empfing er die Priesterweihe.
Im Hammer Klostergebäude der Herz-Jesu-Missionare an der Ostenallee lebte er von 1938 an in der Ordenskommunität. Zugleich war er Vikar der örtlichen katholischen Gemeinde. Sowohl in der Jugendarbeit als auch in der Gemeindeöffentlichkeit nahm der Geistliche in seiner ablehnenden Haltung zum Nationalsozialismus kein Blatt vor den Mund.
Wegen seiner kritischen Predigten geriet Ketzlick Ende Juli 1941 im Zuge des Klostersturms ins Visier der Gestapo. Er wurde verhaftet; die Räumlichkeiten der Kommunität wurden durchsucht. Die Geheime Staatspolizei fand nichts.
Nach Gefängnisaufenthalten in Hamm, Dortmund und Bochum und nach scharfen Verhören und Einzelhaft kam er im Januar 1942 ins KZ Dachau, wo er die Seelsorge unbeirrt trotz massiver Repressionsdrohungen fortsetzte.
Infolge der Haft-Lagerbedingungen erkrankte der Geistliche an Tuberkulose. Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau genas Ketzlick nicht mehr von der Krankheit.
Die letzten Lebensjahre verbrachte er als Geistlicher im Sanatorium Haus Bergfeld in Eisenschmitt, wo er 1951 an der Tuberkulose starb. Pater Ketzlick wurde auf dem Friedhof des Klosters der Herz-Jesu-Missionare in Hiltrup begraben. Das Grab ist inzwischen eingeebnet.

 

Josep, der Sohn Jacobs

Eine Familiengeschichte der Bibel: Die Geschichte von Jakob und seinen Söhnen.
Jakob hatte mit seinen beiden Frauen und seinen beiden Nebenfrauen zwölf leibliche Söhne. Es wird erwähnt, dass er mehrere Töchter hatte, aber es werden keine Einzelheiten genannt.
Rachel, eine der beiden Frauen Josefs, übrigens seine Cousine und seine große Liebe, wird nach einer langen unfruchtbaren Zeit doch noch schwanger und gebiert die Söhne Josef und Benjamin, die wegen der Stellung ihrer Mutter Jakobs Lieblingskinder werden.
Bei Benjamins Geburt stirbt Rachel.
Josef ist ein Mensch voll Phantasie, er denkt sich Geschichten aus und ist verträumt. Er träumt viel und erzählt auch anderen von seinen Träumen.
Jakob sieht in Josef etwas besonderes und schenkt ihm – wie es in der Einheitsübersetzung heißt – einen bunten Rock. Der bunte Rock ist im Bibeltext im hebräischen Original eigentlich ein Kleid, und zwar das Kleid einer Königstochter, ein Prinzessinnenkleid. Der selten benutzte Ausdruck wird zum Beispiel im 2. Buch des Propheten Samuel (13. Kap., Vers 18 f.) für das Kleid der Tochter eines Königs benutzt.
Josef muss anders gewesen sein als seine anderen Brüder. Heute könnten wir möglicherweise sagen: Josef war trans. In jedem Fall ist Josef ein Held mit femininen Zügen. Ein Junge, der mit 17 Jahren ein Prinzessinnenkleid anzieht, ein Vater, der das aktiv unterstützt, da geht es um die außergewöhnliche Identität des Kindes, die von seinen Eltern anerkannt wird – nicht aber von seinen Brüdern. Für sie ist das zu viel. Sie locken Josef aufs Feld, überwältigen und schlagen ihn, sie ziehen ihm den Rock aus, demütigen ihn und stoßen ihn in eine Grube.
Ruben, einer der Brüder, verhindert durch das Stoßen in die Zisterne den Mord.
Juda, ein anderer Bruder, bewegt seine Brüder, Josef an eine vorbeiziehende Karawane zu erkaufen – Josef wird Sklave in Ägypten. Sie beschmieren das Prinzessinnenkleid mit Tierblut und erklären dem Vater: Josef ist tot. Ein wildes Tier hat ihn gefressen.
Josef durfte nicht so sein, wie er war: Sensibel, voller Geschichten und Träume. Die Norm für junge Männer gab etwas anderes vor: Körperliche Stärke, Abenteuergeist und Machtinstinkt.
Die Geschichte geht am Ende gut aus, es kommt zu einer sehr emotionalen Versöhnung zwischen Josef und seinen Brüdern, bei der auch Benjamin, das jüngste Kind Jakobs, eine große Rolle spielt.
Nachlesen kann man Josefs Geschichte im Buch Genesis ab Kapitel 37.
In der Milieukrippe steht Josef im Prinzessinnenkleid für Menschen, die aus der Rolle fallen, die anders sind, heute sagen wir: Queer; für Menschen, die (auch familiär) auf Ablehnung stoßen; er steht für die Schöpfungswirklichkeit Gottes, die schillernd ist – und er steht für die Glaubenszusage, dass alle Menschen Gotteskinder sind.
Paulus schreibt in seinem Brief an die Galater: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ (Gal 3,28)

Margot Frank

Margot Betti Frank (*1926 in Frankfurt am Main | †1945 im KZ Bergen-Belsen) war eine deutsche Jüdin, die 1933 mit ihrer Familie aus Deutschland in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, und kurz vor dem Kriegsende dem Holocaust zum Opfer fiel. Von Juli 1942 bis August 1944 lebte sie mit ihrer Familie versteckt in einem Hinterhaus in Amsterdam. Sie war die ältere Schwester von Anne Frank, die durch ihr Tagebuch bekannt wurde.
Margot und Anne Frank kamen mit einem weiteren Transport im Oktober 1944 ins KZ Bergen-Belsen. Dort starb Margot im März 1945 einige Tage vor ihrer Schwester an den Folgen einer Fleckfiebererkrankung, wenige Wochen vor der Befreiung des KZ.
Wie Anne führte auch Margot Frank während des Krieges ein Tagebuch, dieses wurde aber nicht gerettet.

Hl. Franziskus

Franziskus wurde 1181/82 als Sohn des reichen Tuchhändlers Pietro Bernadone in Assisi im mittelitalienischen Umbrien geboren.
Das Leben seiner Familie war von Reichtum und Überfluss geprägt, was ihm innerhalb der großbürgerlichen Jugend viele Freunde einbrachte.
Aus dem Drang heraus, Ritter zu werden und Ruhm und Ehre zu erwerben, nahm Franziskus als junger Mann an einem Feldzug gegen die Nachbarstadt Perugia teil. Er geriet jedoch in Gefangenschaft und verbrachte ein Jahr im Kerker, was in ihm eine starke Krise auslöste.
Wieder in Freiheit beteiligte er sich an einem weiteren Feldzug nach Süditalien, bei dem er eines Nachts einen Traum hatte, in dem Gott ihn ansprach: „Welchem Herrn willst du dienen, einem geringen oder dem größten?“ Darauf brach er seine Kriegstätigkeit ab und beschloss, sein Leben in den Dienst Gottes zu stellen.
Bei der Rückkehr nach Assisi begegnete Franziskus einem Aussätzigen. Er stieg vom Pferd und umarmte den kranken Mann, was zur damaligen Zeit ein beispielloser Tabubruch war und ihn selbst betroffen machte. Er bezeichnete dieses Erlebnis als den entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben, denn da erkannte er, dass Gott uns gerade in der Gestalt der Armen und Ausgegrenzten begegnet.
Pietro Bernadone wollte das neue Leben seines Sohnes nicht akzeptieren und enterbte ihn. In einer dramatischen Szene auf dem Marktplatz von Assisi zog sich Franziskus nackt aus, übergab die Kleider seinem Vater und stellte sich unter den Schutz des Bischofs. Zu seinem Vater sagte er: „Ab heute sage ich nicht mehr Vater Pietro Bernadone, sondern Vater im Himmel“.
Bau meine Kirche wieder auf… San Damiano – Franziskus erkannte später, dass damit nicht die Kirche aus Stein gemeint war, sondern übertragenen Sinn, eine Kirche nach dem Bild Jesu.

Sterndeuterin und Sterndeuter auf dem Weg

Die Weisheit der Welt macht sich auf, weltliche Einsicht und Weisheit, die es in der Kirche oft nicht leicht hat(te).

Giordano Bruno

*1548 in Nola als Filippo Bruno | †1600 in Rom
war ein italienischer Mönch, Priester, Dichter und Philosoph.
Von der Inquisition der Ketzerei und Magie für schuldig befunden, wurde er 1600 zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Am 12. März 2000 erklärte Papst Johannes Paul II. nach Beratung mit dem Päpstlichen Rat für die Kultur und einer theologischen Kommission, dass die Hinrichtung auch aus kirchlicher Sicht als Unrecht zu betrachten sei.
Seine Lehren standen im Widerspruch zu den kirchlichen Dogmen, insbesondere seine Überzeugungen über die Unendlichkeit des Universums und die Möglichkeit, dass andere Sterne eigene Welten mit Leben haben.
Der Mönch Giordano Bruno war ein Unterstützer des neuen kopernikanischen Weltbildes, nach dem nicht die Erde, sondern die Sonne im Zentrum des Planetensystems steht.

Hypatia von Alexandria

Griechische Mathematikerin, Astronomin und Philosophin des Neuplatonismus im späten 4. Jahrhundert n. Chr.-
Sie wurde durch ihre Lehrtätigkeit und ihre Rolle als Beraterin von Führungspersönlichkeiten bekannt.
Viele ihrer Studenten waren Christen, Juden und Heiden, was ihren interkulturellen und religiösen Einfluss unterstreicht.
Schon lange vor ihren männlichen Kollegen Galileo Galilei (1564-1642) und Nikolaus Kopernikus (1473-1543) hatte sie erforscht, dass der Mittelpunkt der Welt nicht die Erde, sondern die Sonne ist.
Von vielen ihrer Zeitgenossen wurde Hypatia bewundert und verehrt. Zugleich war sie – als Nichtchristin und Anhängerin des aufklärerisch wirkenden griechischen Bildungsguts – einigen Vertretern des sich in Alexandria immer stärker ausbreitenden Christentums aber auch ein Dorn im Auge.
Dem Christentum galt die antike hellenistische Wissenschaft und Philosophie als heidnisch, ketzerisch und als ein Werk des Teufels.
Hypatia provozierte auch als Frau durch ihre unabhängige Lebensweise. Sie hatte sich gegen die Ehe entschieden, die sie in der damaligen Zeit unweigerlich in die Abhängigkeit eines Mannes gebracht hätte.
So fand Hypatias Leben ein grausames Ende. Sie wurde im März 415 von fanatischen Christen brutal ermordet.